A - L1: Apg 10, 34a. 37-43; L2: Kol 3,1-4; Ev: Joh 20, 1-9
Liebe Schwestern und Brüder,
Ostern beginnt nicht mit Jubel, sondern in Dunkelheit. Maria Magdalena geht frühmorgens zum Grab, wenn es noch dunkel ist. Das ist die Stimmung vieler Menschen damals wie heute; Enttäuschung, Trauer, Sprachlosigkeit… Der, auf den man gesetzt hatte, ist gestorben. Mit ihm scheinen auch Hoffnung und Zukunft begraben zu sein.
Doch genau dort, am Grab, geschieht das Wunder. Das Grab ist leer. Nicht, weil Maria stark genug war, den Stein selbst wegzuwälzen, sondern weil Gott eingegriffen hat. Ostern ist Gottes Tat. Der Vater weckt den Sohn auf, wie Petrus in der Apostelgeschichte verkündet (Apg 10,34a.37–43). Das ist der Wendepunkt der Geschichte und der Anfang unseres Glaubens.
Jesus ist nicht im Tod geblieben; Gott hat ihn auferweckt und ihn sichtbar gemacht als den Lebendigen, der mit uns isst und trinkt, der Frieden bringt und den Auftrag gibt, Zeugnis abzulegen. Das bedeutet, dass die Auferstehung nicht Theorie bleibt, sondern Leben verändert.
In der zweiten Lesung erinnert uns Paulus "Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt." (Kol 3,1). Auferstehung heißt also auch innere Erneuerung. Sie lädt uns ein, unsere Gedanken und Herzen neu auszurichten; weg vom Dunkel, hin zum Licht, hin zu Christus, dem Auferstandenen.
Liebe Schwestern und Brüder, jeder von uns kennt seine eigenen "Gräber." Zum Beispiel, das Grab der Enttäuschung, wenn Träume zerbrechen; das Grab der Trauer, wenn wir einen Menschen vermissen und das Grab der Schuld, wenn wir uns selbst nicht vergeben können. Doch Ostern sagt, dass diese Gräber nicht Endstation sind. Der Stein ist weggewälzt. In Christus ruft Gott uns heraus ins Leben. Nicht alles wird sofort hell, aber die Richtung ändert sich vom Dunkel zum Licht, von der Verzweiflung zur Hoffnung. Ostern bedeutet, dass keine Nacht ewig dauert. Wer mit Christus den Weg aus dem Grab wagt, findet Freiheit, Frieden und eine neue Zukunft; denn Christus öffnet einen neuen Weg, Schritt für Schritt… hinein ins Licht.
Vielleicht ist Ostern für Sie heute genau das: ein erster kleiner Schritt heraus aus Ihrem persönlichen Grab. Ein vorsichtiges Aufstehen. Ein neuer Blick. Ein leises Vertrauen. Da ist mehr. Da ist Leben. Da ist Hoffnung. Gehen Sie weiter vorwärts, Schritt für Schritt, auch wenn Sie noch nicht alles verstehen... Auch wenn Ihr Glaube noch zögerlich ist…
Das Grab ist leer. Der Herr ist auferstanden. Halleluja, Halleluja!
Ich wünsche Ihnen ein gnadenreiches Osterfest!
Ihr Pater Benard