L1: Ex 17,3-7; L2: Röm 5,1-2.5-8; Ev: Joh 4,5-42
Die erste Lesung stellt uns ein Volk vor, das gemeinsam mit seinen Tieren dem Tod gegenübersteht. Ein Volk, das dringend Wasser für sich und seine Tiere braucht, aber nichts zu finden scheint. Es beginnt, an Gottes Liebe, Macht und Treue zu zweifeln.
Das ist eine Situation, mit der viele von uns konfrontiert sind. Sie befinden sich in einer Wüstenphase ihres Lebens, in der das Überleben nun in Frage gestellt ist. „Ist der Herr noch in meinem Leben oder in meiner Familie oder nicht?” fragen sich viele Menschen. Das ist eine ehrliche Frage, aber auch eine schwierige.
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir in unserem Leben in eine Wüstenphase geraten und solche schwierigen Fragen stellen, wendet sich Gott nicht von uns ab und bleibt auch nicht gleichgültig, sondern Er gibt uns Wasser aus dem Felsen. Er schenkt uns Leben trotz unserer Zweifel, denn sein Handeln hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab, sondern von seiner Treue.
Im Evangelium begegnet Jesus einer Frau am Jakobsbrunnen, die selbst herzzerreißende Erfahrungen in ihrem Leben gemacht hat. Er verurteilt sie nicht, sondern kommt mit ihr ins Gespräch. Er bittet sie sogar: „Gib mir zu trinken.” (Joh 4,7) Gott macht sich für uns bedürftig. Er dürstet nach unserem Vertrauen. Nicht weil Er uns braucht, wie wir Wasser brauchen, sondern weil Liebe immer Beziehung will.
Jesus kennt ihre Geschichte, ihre dunkle Vergangenheit und ihre gegenwärtige Situation, und dennoch bietet Er ihr „lebendiges Wasser” an. Ja, Gott kennt unsere Vergangenheit, Er sieht unsere gegenwärtige Schwachheit ebenso wie unsere inneren Kämpfe. Deshalb sucht Er unsere Treue.
Treue bedeutet nicht Makellosigkeit oder Vollkommenheit. Treue bedeutet, trotz unserer Fragen und Zweifeln bei Gott zu bleiben… Trotz der Wüste weiterzumachen…Unser Herz trotz unserer eigenen Schwäche und wiederholten Fehlschläge nicht zu verhärten.
Die Fastenzeit ist eine Einladung, erneut zu hören: „Hört auf seine Stimme!” Vielleicht spricht Gott am deutlichsten in unseren Herausforderungen. Vielleicht ist unser innerer Durst der Ort, an dem Er uns am nächsten ist. Gott sehnt sich nicht nach perfekten Menschen. Er sehnt sich nach offenen Herzen, nach Menschen, die darauf vertrauen, dass Er sogar aus Felsen Wasser fließen lässt, nach Menschen, die ihr Vertrauen in Ihn setzen, wie gering es auch sein mag. Und jeder Schritt auf Ihn zu, zählt.
Herr, gib uns das lebendige Wasser der Hoffnung und Erneuerung und ein Herz, das bereit ist, dir zu vertrauen, besonders, wenn wir in die Wüstenphase unseres Lebens eintreten. Amen.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!
Ihr Pastor Benard