L1: Jer 20,7-9; L2: Röm 12,1-2; Ev: Mt 16,21-27
Unsere Welt verherrlicht Gewinner und Erfolgreiche in allen Lebensbereichen. Das ist an sich nicht falsch, denn es spiegelt die Möglichkeiten des Lebens wider. Doch Erfolg ist nicht alles. Gerade Misserfolge prägen unseren Charakter. Sie zwingen uns, unsere Motive, Prioritäten und Handlungen zu hinterfragen, um zukünftige Entscheidungen zu verbessern.
Die heutigen Lesungen erinnern uns daran, dass christliches Leben mehr ist als nur Erfolg und sozialer Aufstieg. Es geht darum, sich für das höhere Gut einzusetzen, ein Leben zu führen, das die Gesellschaft verändert und sie zu einem Abbild des Reiches Gottes macht.
Die erste Lesung präsentiert uns Jeremia, der wegen seiner Kritik an Korruption, moralischem Verfall und Götzendienst bei seinem Volk unpopulär/nicht beliebt war. Er litt enorm: angegriffen, eingesperrt, verfolgt und in eine Zisterne geworfen. Dennoch hielt er an seiner Mission fest, sein Volk an die Treue zu Gott zu erinnern. Jeremia lehrt uns, nach unseren Prinzipien zu leben, moralischen Mut zu zeigen und den schweren Weg der Gottestreue zu gehen.
Dieser Mut und diese Hingabe sind von uns als Nachfolger Christi gefordert. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.” (Mt 16,24). Dies ist der Kern der christlichen Jüngerschaft. Ihm nachzufolgen bedeutet, den Weg des Kreuzes zu gehen: sich nicht der Selbsterhaltung, sondern der Selbstaufopferung für das Wohl anderer zu widmen. Denn „wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.” (Mt 16,25). Petrus war schockiert! Er lernte, dass er nur dann ein Fels sein konnte, wenn er seinem Meister, dem leidenden Gottesknecht, nacheiferte. Andernfalls würde er zum Hindernis.
Jesus fordert uns auf, wie er Petrus herausforderte, vom Modell der Macht und Selbsterhaltung zum Königreichsmodell des Dienens, der Liebe und der Selbstaufopferung überzugehen. Paulus bekräftigt dies in der zweiten Lesung: „Gleicht euch nicht dieser Welt an…”, sondern erkennt den Willen Gottes und tut ihn.
Angesichts von Niederlagen und Leiden, wie Jeremia und Petrus sie erlebten, werden wir daran erinnert, der Macht des liebenden Gottes zu vertrauen, obwohl wir instinktiv auf Überleben durch Kampf und Sieg setzen. Jesus gibt uns ein neues Lebensmodell: Ohnmacht und Zerbrechlichkeit als Möglichkeit, an Seinem Leiden teilzuhaben und als Mittel zum Aufbau einer Gesellschaft der Güte, des Mitgefühls und der Liebe. Hilf uns, Herr.
Haben Sie Mut und seien Sie gesegnet!
Ihr Pastor Benard