Der 30. Sonntag im Jahreskreis ist auch Weltmissionssonntag.
Früher war es vielleicht einfacher, diesen Tag zu begehen als heute. Zumindest in meinem Heimatland Irland ist es noch gar nicht so lange her, dass die Arbeit als Missionar im Ausland, beispielsweise in Afrika, Asien, oder Lateinamerika, um den christlichen Glauben zu verbreiten, als gute und ehrenvolle Aufgabe galt.
Das war damals. Aber wie sieht es heute aus? Es ist kein Geheimnis, dass in den letzten Jahren der Nachwuchs in Missionsorden, und nicht nur dort, zumindest in der westlichen Welt, drastisch zurückgegangen ist.
Und dies führt fast zwangsläufig zu einer gewissen Unsicherheit, die sich in unserer Zeit hinsichtlich der grundlegenden Wahrheiten unseres Glaubens ausbreitet.
Unsicherheit ist jedoch nicht immer etwas Schlechtes. Gerade im religiösen Bereich kann sie uns einen gesunden Respekt vor der wahren Realität Gottes selbst einflößen. Denn Gott ist immer mehr und immer anders als alles, was wir über ihn sagen oder denken können.
Wie hängt das alles mit dem Weltmissionssonntag zusammen? Ich glaube, es bedeutet einfach, dass wir uns an diesem Tag wieder einmal daran erinnern können, dass unser Glaube nicht selbstverständlich oder, sozusagen, natürlich ist. Niemand wird als Christ geboren. Glaube muss erlernt werden. Glaube ist wie eine neue Sprache, die wir lernen müssen. Und wir können diese Sprache nicht lernen, wenn niemand bereit ist, sie uns beizubringen. Das heißt, wir müssen alle selbst „missioniert“ werden, um diese Sprache zu lernen.
Doch das Wichtigste an der Missionsfrage ist und bleibt sicherlich, dass wir uns stets vor Augen halten müssen, dass der tiefste Sinn der Mission nicht in dem liegt, was wir im Bereich der christlichen Mission tun können. Vielmehr ist die Mission, die am meisten zählt, die Mission, die Gott selbst übernimmt, indem er zu uns kommt, um uns in seine Herrlichkeit aufzunehmen.
Ihr Martin Henry