Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

Jungfrau, Märtyrerin, Patronin Europas: Mit diesen Schlagworten ist die Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz im Messbuch versehen, deren Fest an diesem Sonntag gefeiert würde, wenn nicht Sonntag wäre. Sonntag schlägt Fest, aber dennoch ist es lohnenswert, sich dieser Tagesheiligen zu widmen.

Besser bekannt ist diese Heilige unter ihrem bürgerlichen Namen Edith Stein: Sie wurde 1891 als Kind jüdischer Eltern in Breslau (heute Wrocław) geboren, studierte dort und später in Göttingen und Freiburg i. Br. Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik. Sie wurde 1916 bei Edmund Husserl promoviert, scheiterte aber gleich viermal an der Habilitation, weil sie eine Frau war. Ihre Habilitationsschrift wurde posthum 1950 veröffentlicht, darin setzt sie sich u.a. mit Thomas von Aquin auseinander.

Edith Stein lebte eine Zeit lang fern vom Glauben auf der Suche nach Gott, gleichwohl war es ihr schon zu Studienzeiten ein Lebensziel, der Menschheit zu dienen. 1922 ließ sie sich nach intensiver Auseinandersetzung mit der Biografie der Hl. Teresa von Ávila in Bad Bergzabern taufen und wirkte fortan als Lehrerin an den dominikanischen Schulen in Speyer. 1933 trat sie in den Kölner Karmel ein, wo sie ihren Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz annahm. Da sie jüdischer Abstammung war, wurde sie aus Deutschland vertrieben, lebte zunächst in den Niederlanden und wurde schließlich nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich am heutigen Tag 1942 starb. 1987 wurde sie von Papst Johannes Paul II. selig- und 1998 heiliggesprochen, bereits 1999 wurde sie vom selben Papst als eine von sechs heiligen Personen zur Patronin Europas erhoben.

Teresia Benedicta gilt als Brückenbauerin zwischen Juden und Christen, denn sie empfand ihre Taufe nicht als Abkehr von der jüdischen Herkunft, sondern sie wusste sich weiterhin dem jüdischen Volk zugehörig. Dabei fühlte sie sich mit der biblischen Königin Esther verbunden: „Ich bin eine sehr arme und ohnmächtige kleine Esther, aber der König, der mich erwählt hat, ist unendlich groß und barmherzig.“ Auch die Verbindung von Wissenschaft und Glaube war für sie ein bedeutsames Thema: „Dass es möglich sei, Wissenschaft als Gottesdienst zu betreiben, ist mir zuerst so recht am hl. Thomas [von Aquin] aufgegangen. […] Und nur daraufhin habe ich mich entschließen können, wieder ernstlich an wissenschaftliche Arbeit heranzugehen. In der Zeit unmittelbar vor und noch eine ganze Weile nach meiner Konversion habe ich nämlich gemeint, ein religiöses Leben führen heiße, alles Irdische aufgeben und nur im Gedanken an göttliche Dinge leben. Allmählich habe ich aber einsehen gelernt, dass in dieser Welt anderes von uns verlangt wird und dass selbst im beschaulichsten Leben die Verbindung mit der Welt nicht durchschnitten werden darf; ich glaube sogar, je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muss er auch in diesem Sinne ‚aus sich herausgehen‘, d.h. in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hineinzutragen.“ – und: „Im Grunde ist dies das Ziel aller Theologie: den Weg zu Gott selbst freizumachen.“ Zur christlichen Nachfolge schreibt sie: „Es ist ein weiter Weg von der Selbstzufriedenheit eines ‚guten Katholiken‘, der ‚seine Pflichten erfüllt‘, eine ‚gute Zeitung‘ liest, ‚richtig wählt‘ usw., bis zu einem Leben an Gottes Hand, in der Einfalt des Kindes und der Demut des Zöllners. Aber wer ihn einmal gegangen ist, wird ihn nicht wieder zurückgehen.“

Ihr Werk ist viel zu groß, um es in einem so kleinen Impuls annähernd zu fassen – diese biografischen Schlaglichter und die Zitate machen aber vielleicht Appetit, Teresia Benedicta vom Kreuz besser kennenzulernen und sich von dieser großen Heiligen, Brückenbauerin und Patronin Europas im heutigen Leben inspirieren zu lassen.

– Ihr Jonas Borgwardt

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