„Die Heiligkeit von nebenan“
Allerheiligen - das „Fest der ungenannten Heiligen“. Ein Fest für alle, die in keinem offiziellen Heiligenkalender stehen, aber doch tief in unserem Bewusstsein verankert sind.
Heilige! Die ersten Assoziationen dazu sind bunte Kirchenfenster, betende Menschen mit Heiligenschein, die scheinbar nie Fehler begangen haben. Oft wirken sie distanziert – wie unerreichbare Vorbilder des Glaubens. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert uns mit der „allgemeinen Berufung zur Heiligkeit“ daran, dass alle Getauften zu einem heiligen Leben berufen sind. Also doch kein Eliteclub für außergewöhnliche Biografien, sondern der Normalfall des christlichen Lebens!
Heilig zu sein hat nichts mit Perfektion zu tun, es bedeutet nicht ein Übermensch oder ein Superheld zu sein.
Es ist die Entscheidung, dem Leben mit einer bestimmten Haltung zu begegnen. Es bedeutet, authentisch und echt zu leben – mit all unseren Schwächen und Stärken, Zweifeln und Talenten.
Die Heiligen, die wir in diesen Tagen feiern, waren Menschen wie du und ich. Sie hatten genau wie wir auch schlechte Tage, haben gestritten und gezweifelt und wussten nicht, wie es weitergehen soll. Sie haben Krisen durchgestanden, kannten ihre eigenen Verwundungen und haben gerade deshalb tiefes Mitgefühl empfunden und Wärme ausgestrahlt. Durch ihr Dasein und ihr Handeln wollten sie ihre Umwelt ein Stückchen heller machen und haben Gott in ihrem Leben Raum gegeben.
Und die Heiligen unserer Zeit sind Menschen, die zuhören, ohne sofort zu urteilen. Es sind Menschen, die bei einem bleiben, wenn es kompliziert wird, und die mutig für jemanden einstehen, der ungerecht behandelt wird. Menschen, die die Hoffnung nicht verlieren und im Kleinen Gutes tun. Es sind Menschen, die Räume öffnen, in denen andere aufatmen und Gott begegnen können.
Es geht dabei nicht darum, dass man perfekt ist, sondern es geht um die Authentizität und die Bereitschaft, den Alltag etwas heller zu machen.
Ihre Constanze Outzen